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Reisebericht Guatemala 2026 Teil 5
Der Regen hat zwei Vorteile: Wir alle freuen uns, dass die Kaffeepflanzen endlich Wasser bekommen – und meine Begleiter freuen sich auf das Spiel Sevilla gegen Barcelona.
Bei Regen und der Unsicherheit, wie stark die Straßen später noch befahrbar sein werden, ist Warten die einzig vernünftige Entscheidung.
Der Fernseher in Víctorianos Schlafzimmer ist groß, Plastikstühle gibt es wie immer genug. Also sitzen wir bei offener Tür und schauen gemeinsam das Spiel. Draußen nimmt der Wind zu, der Regen prasselt auf das Wellblechdach und erfüllt den Raum mit einem gleichmäßigen Rauschen.
Wenige Minuten später steht Víctorianos Frau hinter mir, legt mir die Hände auf die Schultern und bittet mich mehrfach, mich doch ins Bett zu legen. Dort seien warme Decken, das wäre besser für mich.
Für einen kurzen Moment bin ich irritiert. Ich bedanke mich und versichere ihr genauso oft, dass alles gut ist: Mir ist nicht kalt, ich fühle mich wohl.
Fünf Minuten später geht Víctoriano in die Küche, holt sich eine Cola und kaum ist er zurück, beginnt fast das gleiche Gespräch erneut. Kurz darauf stimmt auch Genaro mit ein.
Bei solchen Situationen komme ich immer wieder an einen Punkt, an dem ich bewusst ruhig bleiben muss. Im Vergleich zu Honduras und meinen Kontakten dort ist die Rolle der Frau hier noch deutlich traditioneller geprägt.
Eine kalte Dusche kommt für mich allerdings tatsächlich nicht infrage. Genaro, der unzählige Kurse zu den unterschiedlichsten Themen besucht hat, ist überzeugt: Davon würde ich krank werden.
Es braucht einige Erklärungen, bis ich das Thema beenden kann. Schließlich argumentiere ich mit meiner Herkunft: Ich komme aus Hamburg, dort ist es oft kühl und regnerisch.
Zum Glück fällt gerade das Tor für Barcelona. Raphinha trifft, Barcelona geht in Führung. Am Ende steht es 3:1. Draußen regnet es immer noch leicht.
Wir gehen zurück in die Küche. Es gibt weiteren Kaffee und saftigen Sandkuchen mit Orangengeschmack. Die Küche ist dunkel, aber unglaublich gemütlich. Der Herd verbreitet angenehme Wärme, die Holzläden sind geöffnet und wir schauen gemeinsam hinaus in die Landschaft.
Eine halbe Stunde später fällt nur noch leichter Nieselregen. Es wird Zeit aufzubrechen. Víctoriano und Francisco müssen zurück – möglichst noch bei Tageslicht. Ein kurzes Stoßgebet, dann fahren wir los.
Víctoriano bringt uns sicher und gut gelaunt zurück nach Corral Grande. Dort verabschieden wir uns. Das Abendessen ist wie immer köstlich.
Am nächsten Tag steht nichts an. Ich freue mich auf einen ruhigen Sonntag mit langem Ausschlafen, gutem Essen und etwas Zeit, um Dinge zu erledigen. Zufrieden schlafe ich ein.
Nach einigen Stunden wird daraus eher ein Halbschlaf. Aber es tut gut. Zeit zum Nachdenken, zum Sortieren und zum Durchspielen verschiedener Szenarien – zumindest in Gedanken. Denn dieses Jahr und auch das kommende werden herausfordernd.
El Niño und die neuen EU-Verordnungen werden die Kaffeewelt stark beeinflussen. Jedes Thema für sich könnte Produzent vor große Herausforderungen stellen. In Kombination könnten sie die Handlungsspielräume noch stärker einschränken.
Vielleicht entstehen daraus aber auch neue Wege.